Mit der ersten „Pegida“-Kundgebung am 19.10.2014 in Dresden entbrannte eine gesellschaftliche und politische Debatte zu den Themen Migration, Rassismus und soziale Gerechtigkeit. Lange Zeit kam diesbezüglich aber keine öffentliche Auseinandersetzung zustande, da seitens „Pegida“ der Dialog mit Dritten ausgeschlossen wurde. Ein anderes Bild zeichnet sich dagegen in den sozialen Medien ab, denn Gegner und Befürworter der „Pegida“-Bewegung finden hier Raum, um sich auszutauschen. In diesem Umfeld wird die Kommunikation öffentlich sichtbar und kann nachvollzogen werden.

Methode

In einer Studie wurde in diesem Zusammenhang die Anschlusskommunikation zum Thema „Pegida“ auf Facebook analysiert und deren diskursive Qualität bewertet. Dafür wurden in einer vergleichenden Inhaltsanalyse insgesamt 3093 Nutzerkommentare und Replies unter Facebook-Posts von ausgewählten Online-Medien untersucht.

Facepagger Screenshot | David Sherlock
Facepager Screenshot | David Sherlock

Unter den SNS bietet Facebook für diese Untersuchung die optimale Grundlage, da es gemessen an den Besucherzahlen die größte SNS ist  und dort folglich viele Nutzer in Interaktion treten. Aus diesem Grund werden auch die reichweitenstärksten Fanseiten unter den Nachrichtenportalen ausgewählt, weil dort die meisten Nutzerkommentare zu erwarten sind. In diesem Zusammenhang sollen die Facebook-Seite der Sächsischen Zeitung (szonline) und die der Morgenpost (mopo24.dresden) in den Vergleich eingehen. Bei der Untersuchung der beiden Facebook-Seiten spielen die Nutzerkommentare eine zentrale Rolle. Im Speziellen besitzen Nutzerkommentare auf Facebook zwei für die Untersuchung wichtige Funktionen. Als erstes bietet Facebook unter jedem Nutzerkommentar mit der Schaltfläche „Antworten“ die Möglichkeit unmittelbar darunter den eigenen Standpunkt zu äußern, um sich auf einen Kommentar eines anderen Nutzers zu beziehen. Dadurch kann eine Diskussion in einem zusammenhängenden Rahmen stattfinden und in der Untersuchung leichter nachvollzogen werden. Eine weitere Kommentarfunktion auf Facebook wird durch das vorangestellten „@“-Symbol und dem jeweiligen Namen des Nutzers realisiert. Auf diese Weise kann ein Nutzer direkten Bezug auf einen anderen nehmen und mit eben jenem in einen Dialog treten. Allerdings kann die Diskussion schwieriger nachvollzogen werden als durch die Reply-Funktion, da aufgrund der Kommentardynamik nicht gewährleistet ist, dass die Kommentare sich aufeinander beziehender Nutzer direkt untereinander stehen. Für die Untersuchung sind dennoch diejenigen Nutzerkommentare von Bedeutung, welche mit den eben beschriebenen Funktionen erstellt wurden.

Die Nutzerkommentare und Posts wurden mithilfe des bekannten Scraping-Tools „facepager“ ausgelesen und so aufbereitet, dass die ursprüngliche Ebenenstruktur der Posts, Kommentare und Replies hergestellt wurde. Der Untersuchungszeitraum beginnt mit dem ersten abgesetzten Post zum Thema „Pegida“ am 14.11.2014 auf der Facebook-Seite der Morgenpost und endet mit dem zum Zeitpunkt der Datenerhebung aktuellsten Beitrag zum Thema „Pegida“ auf einer der Facebook-Seiten am 08.06.2015.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass die Nutzer sich mittels Kommentaren und Replies auf die jeweiligen Posts beziehen und miteinander diskutieren. Jedoch genügt der Diskurs in der Anschlusskommunikation den Qualitätsanforderungen im Sinne der Deliberation nicht. Der überwiegende Teil der Nutzerkommentare enthält keine Argumentation und die Diskussion wird durch wenige Nutzer dominiert. Zudem finden sich Unterschiede hinsichtlich der Diskursqualität zwischen den untersuchten Facebook-Seiten und in Abhängigkeit von der Kontroversität des einleitenden Posts. Im Gegensatz dazu können allerdings keine Differenzen in der Diskursqualität zwischen Gegnern und Befürwortern festgestellt werden.

Die Ergebnisse bescheinigen der Anschlusskommunikation eine überwiegend schlechte Diskursqualität, die dem Potential, welches durch die Strukturen und Dynamiken auf Facebook möglich wäre, nicht gerecht wird. Der berechnete Diskursqualitätsindex weist in diesem Zusammenhang Mittelwerte von 3,2 (SD = 1.1; N = 1947) für die Morgenpost und 3.5 (SD = 1.2; N = 1126) für die Sächsische Zeitung auf einer Skala von 0 bis 9 aus.

Bild
Facebook, The sign outside the main entrance to Facebook HQ (hier)

Diese Forschungsarbeit entstand in fantastischer Zusammenarbeit mit Erik Rietscher.

01/11/2018